Active Sourcing bedeutet mehr als Postfächer zu füllen

Active Sourcing ist ein Buzzword. Im sich verschärfenden „War for Talents“ soll es Unternehmen beim Recruiting stark umworbener Talente unterstützen. Doch es wird häufig falsch verstanden. Das belegen gefüllte Mailfächer auf LinkedIn, XING & Co., in die nicht jeder der möglichen Kandidaten einen Blick hinein wirft. Doch was ist Active Sourcing, was bringt es wirklich und wie können Unternehmen am besten davon profitieren?

Active Sourcing bedeutet wörtlich übersetzt „aktive Beschaffung“ und meint das Gewinnen von Personal, insbesondere von hoch qualifizierten Kandidaten. Denn seine Ursprünge liegen in den USA. „Im Jahr 1926 kam der New Yorker Thorndike Deland auf die Idee, Kandidaten nicht mehr per Stellenanzeige zu suchen, sondern durch systematische Recherche zu ermitteln und direkt anzusprechen“, berichtete das Magazin brand eins. Thorndike Deland gilt als Pionier bei der Auswahl und Bewertung von Führungskräften, so die New York Times. So ist das Active Sourcing auch hierzulande im Executive Search nichts Neues. Es wurde nur eher als Direktansprache bezeichnet. Mit zunehmender Verwendung englischsprachiger Bezeichnungen, der Knappheit nicht nur von Führungskräften, sondern auch von Fachkräften und der Entwicklung von Social Media hat es sich in Europa verbreitet. Inzwischen entspricht Active Sourcing dem Zeitgeist, in dem jeder seines Glückes Schmied ist.

Die Versprechen der Tools

Zahlreiche Tools propagieren Active Sourcing, allem voran die der Businessnetzwerke – der XING TalentManager und der LinkedIn Recruiter. Die Mitglieder der Plattformen lassen sich nach verschiedensten Kriterien filtern und anzeigen. Sogar die Anzahl der jeweiligen Profilbesuche ist sichtbar, wie XING seine Lösung beschreibt. Anschliessend können die Nutzer direkt mit einer persönlichen Nachricht angeschrieben werden. „Mit einer InMail (der Messaging-Funktion von LinkedIn) können Sie potenzielle Kandidat:innen direkt kontaktieren – auch wenn Sie nicht mit ihnen vernetzt sind. Weitere Optionen, wie gebündelte Nachrichten oder gespeicherte Vorlagen, sparen Ihnen bei der Kontaktaufnahme Zeit“, wirbt LinkedIn. Ausserdem gibt es Schnittstellen zu weiteren Lösungen. So haben andere Softwareprodukte gleich mehrere soziale Netzwerke integriert und bieten noch zusätzliche Funktionen einschliesslich Bewerbermanagement.

Die Tools versprechen nicht nur Kandidaten zu erreichen, die nicht aktiv nach einer neuen Stelle suchen, sondern gleich unmittelbar an den Wunschkandidaten heranzukommen, den einfachsten Weg, die passenden Talente zu finden, das Active Sourcing des Unternehmens auf ein neues Level zu bringen und ähnliche Vorteile einschliesslich Zeit zu sparen. Fakt ist jedoch: Ein Tool allein ist kein Garant für Erfolg.

Häufige Fehler

Beim Active Sourcing warten einige Fallstricke. Das zeigt die Studie „Social Recruiting und Active Sourcing“ der Universität Bamberg. Ihr zufolge haben fast alle potenziellen Kandidaten eine positive Einstellung zur Direktansprache, aber: „Insgesamt und über alle Kandidaten hinweg sind 10,4 Prozent genervt aufgrund zu häufiger Direktansprachen“. Drei der Gründe dafür seien uninteressante Anfragen, ein fehlender persönlicher Bezug aufgrund von standardisierten Messages sowie eine fehlende Passung zu den Fähigkeiten des Kandidaten.

Eine der Folgen ist, dass nicht zwangsläufig die Besten der Besten auf eine Nachricht antworten. Denn diese haben nicht in allen Fällen Profile in sozialen Netzwerken oder es eventuell ganz aufgegeben, Nachrichten von Fremden in ihren Postfächern zu lesen. Darüber hinaus kann sich Active Sourcing, das eher an Spam erinnert, der Studie der Universität Bamberg zufolge nicht nur auf den Erfolg des Recruitings auswirken. „Jeder achte der relevanten Kandidaten meidet dann auch die Produkte des Unternehmens“, so die Wissenschaftler. Das bedeutet, dass schlechtes Active Sourcing kontraproduktiv sein kann.

Active Sourcing gewinnbringend nutzen

Wer die direkte Suche professionell angehen möchte, muss im ersten Schritt definieren, wen er wofür finden möchte. Allein dies stellt viele Unternehmen vor Herausforderungen. Denn es geht darum, ein umfassendes, aber realistisches Bild zu zeichnen. Anschliessend müssen die Orte identifiziert werden, an denen sich die möglichen Kandidaten aufhalten. Dies sind bei Weitem nicht nur soziale Netzwerke. Dort wiederum lassen sich die gesuchten Eigenschaften nicht zwangsläufig einfach per Mausklick herausfiltern. Vielmehr ist es erforderlich, die Angaben wirklich zu erfassen und Rückschlüsse zu ziehen, um welche Persönlichkeit es sich handelt. Nur wer diesen Aufwand auf sich nimmt, kann einen Eindruck davon erhalten, was der Kandidat sucht und ihm auf seinem bevorzugten Kanal ein für ihn relevantes Angebot unterbreiten. Dabei ist sehr oft die persönliche, individuelle Kommunikation entscheidend. Dies in der Summe bedeutet persönliche Ansprache – nicht allein die Anrede mit dem Namen.

Damit diese Aufgabe gelingt, bedarf es noch vor technologischer Expertise einer ausgezeichneten Markt- und Branchenkenntnis, Empathie, eines feinen kommunikativen Gespürs und Fingerspitzengefühls sowie einer angemessenen Zeit. Diese Voraussetzungen zu erwerben, ist weder mit dem Lesen einiger – durchaus interessanter – Beiträge getan, noch mit einem Seminar oder Workshop. Stattdessen braucht es Erfahrung – Erfahrung, wie sie Spezialisten für Executive Search über Jahrzehnte hinweg gesammelt haben. Entscheiden Sie sich daher beim Active Sourcing für eine Zusammenarbeit mit Headhuntern, die diese Disziplin wirklich beherrschen! Wir sind sehr gerne für Sie da.

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Autor: Jasmine Grabher