Mit ungewöhnlichen Mitteln zu besonderen Mitarbeitern

Stellenanzeigen deutlich sichtbar auf T-Shirts oder überraschend in Form eines QR-Codes auf einer Pizza – auf den ersten Blick muten solche Methoden, um Fach- und Führungskräfte zu erreichen, ein wenig abwegig an. Bei genauer Betrachtung kann es jedoch für Unternehmen sowie Organisationen zielführend sein, vor allem im härter werdenden „War for Talents“ jenseits der ausgetretenen Pfade nach Spezialisten zu suchen. Denn diese verfügen oft über besondere Interessen. Wer diese Berührungspunkte findet und dort mit attraktiven Massnahmen aktiv wird, dem eröffnen sich neue Chancen, Mitarbeiter zu rekrutieren und der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein.

 

In einigen Firmen ist das den Verantwortlichen bewusst. Wenn sie Software-Entwickler suchen, platzieren sie Stellenanzeigen beispielsweise im Quellcode ihrer Websites oder direkt in Programmen. Denn auf diesen schaut die Zielgruppe. Einen ähnlichen Weg ging die Werbeagentur Jung von Matt, die Mitarbeiter über einen Adblocker, der unerwünschte Werbung verhindert, einlud, bessere Werbung zu gestalten. Die Fluglinie Ryanair, die regelmässig wegen prekärer Arbeitsbedingungen in die Schlagzeilen gerät, nutzte ihr Image, als CEO Michael O'Leary per Stellenausschreibung einen Wunschkandidaten skizzierte, der unter anderem „ein dickes Fell hat, eine engelsgleiche Geduld, eine grosse Sammlung eigener Gute-Nacht-Geschichten sowie die Fähigkeit ohne Schlaf und Kontakt zur normalen Welt auszukommen“.

 

Auf Guerilla-Pfaden wartet das Risiko

Für solche Methoden gibt es sogar eine Bezeichnung: Guerilla-Recruiting. Wie der Name impliziert, sind die Wege risikobehaftet. Als zum Beispiel Kasper Communications nur Mütter suchte, provozierte das Unternehmen, da Männer ausgeschlossen waren. Kasper erhielt zwar viele Bewerbungen von Menschen, die sonst oft als Erstes aussortiert werden. Juristen sahen darin jedoch einen Verstoss gegen das allgemeine Gleichheitsgesetz. Wer auf einem ungewöhnlichen Weg Mitarbeiter gewinnen möchte, ist also gut beraten, genau abzuwägen, wie weit er gehen möchte.

 

Einen ersten aussergewöhnlichen Schritt zu wagen, reicht nicht. Vielmehr verlangt diese Form der Rekrutierung eine durchdachte Strategie, die im Übrigen weit mehr als rechtlich vertretbar sein sollte. Allen erfolgreichen Kampagnen ist gemein, dass Botschaft und Kanal haargenau zum Unternehmen sowie zur Zielgruppe passen. Sie wirken authentisch und liefern unterhaltsamen Mehrwert. Damit verbunden ist Originalität. Die Kampagnen müssen einzigartig sein. Wer andere einfach nachahmt, kann schnell das Image eines Trittbrettfahrers bekommen. Dann geschieht statt des Erfolgs das Gegenteil.

 

Nachhaltiger Erfolg nur mit vollumfänglicher Einbettung

Ebenso wichtig ist die Einbindung in den gesamten Recruiting-Prozess sowie in alle anderen HR-Massnahmen Das bedeutet: Eine ungewöhnliche Idee hat nur dann die gewünschte dauerhafte Wirkung, wenn sie sich an allen Kontaktpunkten der Kandidaten mit dem Unternehmen oder der Organisation widerspiegelt. Dies betrifft die Webpräsenz einschliesslich Social Media genau wie das Auswahlverfahren, für das es inzwischen zahlreiche innovative Beispiele gibt. So bietet die Brauerei Heineken im Rahmen ihrer Kampagne „Go Places“ eine eigene Website mit Self-Assessment an, die gestalterisch Zeichen setzt und zum Teilnehmen animiert. Zwölf Fragen in jeweils fünf Sekunden beantworten, wer kann da widerstehen? Daneben sind Jobcastings mit ungewöhnlichen Aufgaben en vogue. Das Luxushotel in der Hamburger Elbphilharmonie beispielsweise liess vorausgewählte Bewerber beim einem eintägigen Massencasting ein Zelt aufbauen, als es noch 120 Haustechniker, Rezeptionisten, Köche, Servicekräfte, Zimmermädchen und Hotelfachleute bis zu seiner Eröffnung finden wollte. Darüber hinaus sollten auch angestellte Mitarbeiter an aussergewöhnlichen Massnahmen teilhaben. Denn selbst, wenn die besten Kandidaten rekrutiert sind, müssen sie bleiben wollen.

 

Diese umfassende Strategie sowie deren Realisierung setzen eine gewisse Reife der Unternehmenskultur voraus, die niemand ad hoc entwickeln kann. Dafür braucht es neben Veränderungsbereitschaft und Mut auch Zeit. Die Mühe, diese lange Route zu bewältigen, lohnt sich jedoch. Wer neue Wege als erster souverän beschreitet, dem ist Viralität sicher. Entsprechende mediale Aufmerksamkeit und ein dynamisches Image sind inklusive.

 

Datum: 23. Juni 2017

Autor: Madeleine Grawehr


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