Mit intelligenter Personalauswahl dunkle Kräfte bändigen

Sie sind der Traum eines jeden Personalverantwortlichen: Kandidaten, die haargenau auf die gesuchte Stelle passen und über eine charismatische Persönlichkeit, Leistungsstärke und Motivation verfügen. Das sind vor allem für Führungspositionen gefragte Eigenschaften. Doch wenn es zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist es nicht wahr. In vielen Fällen führt genau diese attraktive Mischung auf die „dunkle Seite der Macht“. Denn mit ihnen verknüpfte Persönlichkeitsmerkmale laufen in der so genannten dunklen Triade zusammen.

Die dunkle Triade vereint Narzissmus, Machiavellismus und milde Psychopathie. Ein Narzisst ist jemand, der sich für besser als andere hält, ein Machiavellist manipuliert Mitmenschen um seine Ziele zu erreichen und ein Psychopath agiert impulsiv sowie rücksichtslos statt empathisch. Er hat keine Angst vor Konsequenzen. Menschen, die diese drei Merkmale zu einem grossen Teil in sich vereinen, sind oft von besonders hoher Anziehungskraft und erfolgreich. Ein hervorragendes, wenn auch fiktives Beispiel für die perfekte Verkörperung der dunklen Triade ist James Bond, berichtet die Welt. Menschen wie er gelten als mutig, leistungsstark und motiviert. Ihr Streben nach Dominanz, Macht oder Erfolg sei ein Grund, warum sie es bis weit nach oben schaffen. Ein anderer Grund: Nach oben hin werde anscheinend die Personalauswahl unkritischer. Deshalb sind Menschen mit hohen Anteilen an Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie in Führungsetagen überdurchschnittlich häufig anzutreffen.

 

Positive Wirkung

Tatsächlich können einzelne Aspekte der Triaden-Merkmale im Berufsleben durchaus anforderungskonform sein, wie Prof. Dr. Benedikt Hell, Dozent an der Hochschule für Angewandte Psychologie (FHNW), und Nadine Schneider, wissenschaftliche Assistentin an der FHNW, im Journal HR Today berichten. „Etwa im Fall des kühl abwägenden Machiavellisten, der in bestimmten Branchen sehr gefragt ist und strategisch Netzwerke aufbauen kann.“

Narzissten präsentieren hervorragend. Deshalb können sie Unternehmen bestens nach aussen vertreten und seien charismatische Führungspersönlichkeiten. Narzisstische Charaktermerkmale bei Vorgesetzten haben oft positive Auswirkungen auf die Höhe des Gehalts sowie die Chance auf Beförderungen von Mitarbeitern, heisst es in einer Studie der Bamberger Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie. Prof. Dr. Judith Volmer und Iris Koch fanden heraus: „Das Wohlbefinden im Unternehmen bei Beschäftigten nimmt zudem auch nicht ab, wenn Führungskräfte zu Narzissmus tendieren.“

Menschen mit milder Psychopathie bewahren Prof. Dr. Benedikt Hell und Nadine Schneider zufolge in Risikosituationen immer wieder einen kühlen Kopf. Eine Studie der Universität Bonn attestiert Menschen mit psychopathischen Zügen, dass sie bei Kollegen als hilfsbereit und kooperativ gelten können – vorausgesetzt, sie verfügen ausserdem über ausgeprägte soziale Fertigkeiten.

 

Die dunkle Seite

Doch nicht alle Charaktermerkmale der dunklen Triade wirken positiv. In der Studie der Bamberger Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie heisst es auch, dass Führungskräfte mit psychopathischen oder machiavellistischen Eigenschaften beispielsweise dafür verantwortlich sind, dass Mitarbeiter mit ihrer Arbeit seltener zufrieden sind beziehungsweise ihre eigenen Aussichten auf Karriere und Erfolg im Unternehmen geringer einschätzten. Dies kann zu mangelnden Leistungen sowie hohen Krankenständen führen.

Prof. Dr. Benedikt Hell und Nadine Schneider haben ausführlich dargelegt, worin die Risiken der verschiedenen Persönlichkeiten bestehen. Demnach geht das Verhalten von Narzissten nicht selten mit der Herabwürdigung anderer einher. Sie reagieren selbst auf sachliche Kritik uneinsichtig und sind in der Regel nicht kompromissbereit. „Ihre Kritik- und Konfliktfähigkeit ist schwach ausgeprägt, weshalb sie in schwierigen Situationen oft anecken und unangenehm auffallen.“ Teams mit narzisstischen Führungspersonen weisen häufig einen reduzierten Informationsaustausch auf. Von ihnen geführte Organisationen zeichnen sich durch extreme, schwankende Unternehmensleistungen aus. Ausserdem bestehe ein Zusammenhang zwischen Narzissmus und kontraproduktivem Arbeitsverhalten wie Diebstahl, Mobbing und Wirtschaftskriminalität.

Machiavellisten seien vor allem egoistisch. Ihnen gehe es darum, ihren Willen durchzusetzen. Sie tendieren ebenfalls zu kontraproduktivem Arbeitsverhalten, was sich auf Arbeitsklima und Kooperation im Team auswirken könne. Sie manipulieren Personen. Werde das aufgedeckt, bestehe Konfliktpotenzial. Menschen mit diesen Eigenschaften seien weniger bereit, sich freiwillig für etwas oder für andere zu engagieren.

Personen mit mild psychopathischen Charakterzügen denken nicht über die Folgen ihrer Handlungen nach. Bei Kritik reagieren sie auch aggressiv – haben im Zweifelsfall keine Bedenken, Gewalt anzuwenden. Sie bekennen sich kaum zu getroffenen Vereinbarungen und halten sich nicht an die Prinzipien des sozialen Austauschs. Sie zeigen geringe Loyalität gegenüber dem Unternehmen und machen es als Führungskräfte ihren Mitarbeitern schwer.

 

Risiken rechtzeitig erkennen

Deshalb gilt es, Vertreter der dunklen Triade frühzeitig zu erkennen. Doch das ist nicht einfach, da jeder Mensch diese – und andere positive sowie negative – Eigenschaften mehr oder weniger in sich trägt. Hinzu kommt, dass Menschen, die Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie in starker Weise vereinen, ihre Umgebung täuschen und manipulativ wirken können. Durch strukturiertes Vorgehen ist es dennoch möglich, entsprechende Tendenzen zu identifizieren. Am besten gelingt dies durch Kombinieren verschiedener Methoden.

Eine Möglichkeit hierfür sind Persönlichkeitstests. An der Universität Hohenheim wurde beispielsweise die „TOP – Dark Triad of Personality at Work“ entwickelt, mit dem Ziel, die Eigenschaften der dunklen Triade der Persönlichkeit berufsbezogen und psychometrischen Standards entsprechend zu erfassen. Allein angewendet sind Persönlichkeitstests allerdings nicht 100-prozentig aussagekräftig. Denn als Test durchgeführt, können Bewerber sie durchschauen und durch angepasstes Verhalten beeinflussen. Eine gute Ergänzung ist es daher, einige Aspekte in persönlichen Interviews mit den Kandidaten zu beleuchten.

Die Gespräche sollten dafür gut strukturiert sein. Das bildet die Basis, um Einstellungen zu hinterfragen und aus dem gezeigten Verhalten gute Schlüsse ziehen zu können. Prof. Dr. Benedikt Hell und Nadine Schneider haben auch hierfür nützliche Anhaltspunkte geliefert. Demnach lassen sich Psychopathen vergleichsweise leicht identifizieren: Häufige Stellenwechsel können ein Indiz sein, geringes Commitment gegenüber sozialen Vereinbarungen sowie der beschriebene Umgang mit negativem Feedback. Narzissten verraten sich, wenn sie angegebene Erfolge konkret belegen und die näheren Umstände beschreiben sollen. Schwieriger zu erkennen sind Machiavellisten. Ein Ansatz bestehe darin, das Verhalten und den Emotionsausdruck der jeweiligen Person zu bewerten: Gelingt es ihr, zwischenmenschlich anzukoppeln? Wie agiert sie in Wettbewerbssituationen? Grundsätzlich raten die Experten, bezüglich aller drei Merkmale Beziehungen zu Kollegen und Vorgesetzten zu betrachten. Komme eine gefühllose, hartherzige Grundhaltung zum Ausdruck, deute dies auf mindestens ein dunkles Persönlichkeitsmerkmal hin.

Dazu ist die Reflexionsfähigkeit des Interviewers gefragt. Inwieweit hat er sich vom Bewerber beeindrucken lassen? Hier hilft es, wenn mehrere Personen mit unterschiedlichem Hintergrund an dem Gespräch teilnehmen. Zusätzlich ist es empfehlenswert, Aussenauskünfte und Referenzen einzuholen, um sie den eigenen Eindrücken sowie der Selbsteinschätzung des Kandidaten gegenüberzustellen.

 

Optimale Teambildung

Ziel ist es nicht, Menschen mit narzisstischen, machiavellistischen oder gering psychopathischen Merkmalen rigoros zu meiden. Denn andere Teammitglieder und bestimmte Strukturen können ausgleichend wirken und die positiven Seiten dieser Persönlichkeiten zum Klingen bringen, während die negativen Tendenzen in Schach gehalten werden. Vielmehr geht es darum, die Kandidaten einschliesslich des Ausprägungsgrades dieser und weiterer Eigenschaften im Gesamten einzuschätzen. Dies bildet eine gute Grundlage, um Teams optimal zusammenzustellen.

 

Datum: 31. August 2017

Autor: Jasmine Grabher


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