Die Generation 50+ – goldene Regeln für Unternehmen und Arbeitnehmer

Die Babyboomer haben die 50 überschritten. Nicht nur gesamtgesellschaftlich betrachtet halten sie eine stabile Präsenz, im Berufsleben ist dies ebenso der Fall. Ihre Arbeit hat nicht nur angesichts des gestiegenen Renteneintrittsalters und des Fachkräftemangels Bedeutung, sondern auch für die Leistungsfähigkeit der Unternehmen. Doch es zeigen sich Widersprüche: Mancher jenseits der 50, der einen Job sucht, sieht es als aussichtslos an, sich im Wettbewerb gegen jüngere Kandidaten durchzusetzen. Laut dem Personaldienstleister Adecco stellt nur ein Drittel aller Schweizer Firmen noch regelmässig Leute über 50 ein. Bei vielen Personalverantwortlichen landen Dossiers mit Jahrgang 1963 und tiefer direkt im Schredder.

 

Es gilt deshalb mehr denn je, die Aging Workforce besser in den Erwerbsprozess zu integrieren. Dafür sind Politik, Wirtschaft und jeder Einzelne gefordert.

 

Tatsächlich können die relativ tiefen Arbeitslosenquoten in der Alterskategorie 50 plus „nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Teil dieser Altersgruppe mit wesentlichen Problemen auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert ist“, lautet ein Fazit der Studie „50 plus – Chancen und Risiken auf dem Zürcher Arbeitsmarkt“ der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich, Amt für Wirtschaft und Arbeit. Diese kommen vor allem in einem Ausschluss oder Rückzug vom Arbeitsmarkt zum Ausdruck. In dieses Bild passt, dass ältere Beschäftigte immer wieder Vorurteilen begegnen. „Ihnen wird teilweise vorgeworfen, sie seien unflexibel oder weniger leistungsfähig als jüngere Arbeitnehmende“, heisst es in der Broschüre „Fachkräfte Schweiz“.

 

Gefahren in bestimmten Bereichen

Einmal von Arbeitslosigkeit betroffen, sei der Weg zurück ins Erwerbsleben für Ältere schwieriger. Dem sind sich die meisten bewusst, wie eine repräsentative Befragung des Forschungsinstituts gfs-Zürich ergab. Ihr zufolge denken mehr als vier Fünftel der befragten Schweizer, dass es für Menschen ab 50 Jahren in Zukunft schwieriger wird, einen Job zu finden oder zu behalten.

 

Der Studie „50 plus – Chancen und Risiken auf dem Zürcher Arbeitsmarkt“ zufolge ist das Risiko arbeitslos zu werden, für Arbeitnehmende über 50 in den Bereichen Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Information und Kommunikation, im Gastgewerbe sowie im Bereich Immobilien besonders gross. Und: „Auffallend tief liegt die Einstellungsrate von Personen im höheren Erwerbsalter bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, im Wirtschaftszweig Verkehr und Lagerei, im verarbeitenden Gewerbe sowie im Wirtschaftszweig Erziehung und Unterricht.“

 

Klar erkennbare Chancen

Dieselbe Untersuchung fördert jedoch auch Positives zutage. So offenbart sie vergleichsweise hohe Einstellungsraten bei älteren Erwerbstätigen im Gesundheitswesen sowie in freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Im Gesundheits- und Sozialwesen, im Bereich Erziehung und Unterricht, in der öffentlichen Verwaltung sowie im verarbeitenden Gewerbe ist diese Altersgruppe vergleichsweise stark vertreten. Diese Fakten untermauern die Aussage, dass das Ausbildungsniveau entscheidend für die Chancen auf dem Arbeitsmarkt ist. Zu dieser Erkenntnis kommen auch die Autoren der Broschüre „Fachkräfte Schweiz“. Sie zeigt anhand praktischer Beispiele, welche Wege Betriebe einschlagen können, um Potenziale von älteren Mitarbeitern zu nutzen.

 

Dass die Generation 50+ gefragte Fähigkeiten hat, legt die Studie des Basler Think-Tanks Metrobasel „Aging Workforce: Das Potenzial erkennen und mobilisieren“ dar. „Mit dem Alter steigt – so die Einschätzung der jüngeren wie älteren Mitarbeitenden und Führungskräfte – die Fähigkeit, Probleme zu erkennen, zu beurteilen und zu lösen sowie sich in andere hineinzuversetzen. Altersbedingt abnehmende kognitive Fähigkeiten wie die Informationsaufnahme oder -verarbeitung können durch den Einsatz langjähriger Erfahrung und darauf aufbauender Intuition wettgemacht werden“, heisst es in dem Papier, das ebenfalls Vorschläge beinhaltet, wie sich dieses Potenzial mobilisieren lässt. Alles in allem hält die Literatur zahlreiche Ratschläge bereit. Unternehmen, Arbeitnehmer und Jobsuchende können sich an folgende goldenen Regeln halten:

 

Tipps für Unternehmen

  • Auf altersdurchmischte Teams setzen und die Führungskompetenzen in Bezug darauf stärken! Aus Diversität ergeben sich nämlich viele Vorteile.
  • Die Arbeitsbedingungen flexibilisieren! Eine Reduktion der körperlichen Belastung, Angebote wie Homeoffice, Teilpensionierung und Bogenkarriere helfen älteren Arbeitnehmern, ihren privaten Lebensbereich mit ihrem Beruf in Einklang zu bringen.
  • Aufgaben interessant gestalten! Die Arbeit muss auch für Angestellte ab 50 spannend bleiben und ein Gefühl der Sinnhaftigkeit sowie des Gebrauchtwerdens vermitteln.
  • Entscheidend ist die Bereitschaft der Firmenverantwortlichen zum Dialog und zu offener Kommunikation mit den betreffenden Mitarbeitenden.
  • Wertschätzung zeigen! Sie ist ein wesentlicher Faktor in der Personalführung.
  • Weiterbildung fördern! Dazu zählt, den Mitarbeitern nicht nur Zugang zu entsprechenden Angeboten zu gewähren, sondern auch proaktiv wichtige Seminare anzubieten.

 

Ratschläge für Stellensuchende und Arbeitnehmer

  • Aktuelles, attraktives Xing/LinkedIn Profil
  • Studien sagen, dass für 77% der Arbeitgeber die soziale Medien im  Recruitung wichtig sind
  • In Branchen operieren, die ältere Arbeitnehmer einstellen und auf neue Berufsbilder achten, die den eigenen Qualifikationen und Kompetenzen entsprechen!
  • Nicht nur denselben Job suchen, den man bisher getan hat - ev. existiert der ja gar nicht mehr...
  • Aktiv bleiben und permanent weiterbilden! Denn wer gefragte, aktuelle Fähigkeiten vorweist, hat bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
  • Den Lebenslauf anpassen! Er sollte maximal zwei Seiten umfassen und eine Geschichte erzählen, welche Erfolge - vor allem in den vergangenen zehn Jahren - erzielt worden sind. Korrekte Rechtschreibung und Grammatik, professionelle und aktuelle Fotos sind selbstverständliche Anforderungen.
  • Die E-Mail-Adressen sollten gegebenenfalls entstaubt werden. Perfekt geeignet ist eine eigene Domain. Eine Alternative sind mit dem Namen benannte Adressen auf Outlook und Gmail.
  • Positiv denken und selbstbewusst auftreten! Alter ist auch ein Wert. Sich von anspruchsvollen Jobbeschreibungen oder Absagen entmutigen lassen, hilft nicht.
  • Wer sich lange im Berufsleben befindet, verfügt häufig über viele Kontakte. Das ist ein Trumpf, vor allem dann, wenn jüngere Menschen ebenfalls dazu zählen. So mancher Kontakt kann auf irgendeine Weise weiterhelfen.
  • Neue Technologien bieten neue Möglichkeiten. Auch wer kein Anhänger der Always-on-Gesellschaft ist, kann von gepflegten Profilen in sozialen Netzwerken wie Xing und LinkedIn oder auf Twitter profitieren. Mit einem Blog lässt sich die Reputation zusätzlich stärken.
  • Gehaltsflexibilität ist wichtig. Ein eventuell geringeres Salär als im vorangegangenen Job lässt sich mit Boni, Urlaubstagen oder Ähnlichem ausgleichen.
  • Wer selber Einfluss auf die Arbeitsinhalte und -umgebung nimmt, nutzt die Chance, seine Zukunft mitzubestimmen.

 

Datum: 25. August 2017

Autor: Stefan Barg


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